Freitag 20. Juli – Samstag, 21. Juli 2018

Wir verabschieden uns auf dem Flughafen Schwechat von unseren Lieben und stapfen in die Abflughalle. Wie bereits im Vorfeld ermittelt, sollen wir den Campingkocher bei der Fluggesellschaft (Aeroflot) angeben, damit dieser legal mitreisen kann. Am Schalter der Aeroflot zeigen wir den Kocher und die leeren Brennstoffflaschen her. Die Dame trägt den Kocher in eine Liste ein. Das wars. Danach geben wir das Gepäck auf. Auch hier weisen wir nochmals darauf hin, dass ein Kocher im Gepäck ist. Alles kein Problem …

Von unseren großen Taschen befreit, suchen wir ein noch geöffnetes Lokal auf, in dem wir auf den Abflug warten. Um keinen Zeitdruck zu bekommen, waren wir schon ca. um 9 Uhr abends am Flughafen (Abflug: 0:30 Uhr). Ein bisschen ein mulmiges Gefühl habe ich schon, ob der doch langen Reise in ein unbekanntes Land.

Endlich ist das Gate am Infoscreen angegeben, wir gehen durch den Security Check zum Gate. Dort warten wir bei einer Flasche Mineralwasser auf die Öffnung des Gates. Mein Schwager wird einstweilen von einem betrunkenen Geschäftsmann angequatscht … ich stelle ich mich taub und desinteressiert, mein Schwager wurde besser erzogen und verwickelt sich in das Gespräch. Wir hoffen, dass er im Flugzeug nicht in unserer Nähe sitzt – was sich später auch als richtig erweist.

Der Flug nach Moskau verläuft ohne besondere Vorkommnisse, wir kommen pünktlich in Moskau an. Sogleich machen wir uns auf die Suche nach dem Gepäckaufbewahrungsraum, wir wollen Moskau besichtigen und nicht das ganz Handgepäck mitschleppen. Für den Aeroexpress, den Shuttlezug Flughafen – Metro haben wir die Tickets schon online gebucht. Somit geht es zügig mit dem ersten Frühzug Richtung Roter Platz. Die erste Challenge, das ziehen eines Metro-Tickets am Automaten bringen wir mehr oder weniger rasch, dafür erfolgreich, über die Bühne.

Am Roten Platz angekommen, fahren wir über steile, lange Rolltreppen dem Tageslicht entgegen. Um diese Uhrzeit (ca. 5:30 Uhr) zeigt sich der Rote Platz verschlafen, allerdings auch abgesperrt. Wir kaufen uns einen Kaffee und sehen zu, wie die Moskauer Bürgerschaft aus den Häusern kommt und verschiedenen Zielen entgegeneilt. Im Hintergrund begleitet uns dabei das minutenlange Geläut einer nahen Kirche.

Dann, endlich, öffnet das Gum, das berühmteste Kaufhaus von Moskau. Zusammen mit einer Herde Asiaten werden wir durch die Drehtür in das Innere des imposanten Gebäudes geschwemmt. Zum Glück verteilt sich die Menge gleichmäßig, so können wir ungestört das Kaufhaus mit den mondänen Geschäften besichtigen. Gekauft wird nichts, wir sind mit dem Gewicht unseres Reisegepäcks sowieso am Limit.

Nach dem Besuch des Gum treibt uns die Neugierde an einer Oldtimer-Parade vorbei, zum Roten Platz. Dort zeigt sich auch der Grund, warum dieser abgesperrt ist. Eine Militärparade, vermutlich eine Angelobung, findet am Roten Platz statt und wir schauen als Zaungast zu, immer einen Blick auf der Uhr. Wir wollen nicht unseren Anschlussflug nach Kamtschatka verpassen.

Der Weiterflug startet auch pünktlich. Wir haben auch nicht vergessen, unser Handgepäck abzuholen. Die Fluglinie zeigt sich, wie beim ersten Flug von ihrer besten Seite, es fehlt an nichts. Service, Verpflegung, alles in bester Ordnung auf beiden Aeroflot Flügen. Entspannt, übermüdet und gelangweilt fliegen wir die ca. 8,5 Stunden Richtung Osten über das Nordpolarmeer – dem ersehnten Ziel entgegen.

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Sonntag, 22. Juli 2018

Gespannt schaue ich beim Flugzeugfenster raus. Laut dem Infoschirm müssten wir über dem Ochotskischen Meer sein und somit bald Kamtschatka zu erkennen sein. Und tatsächlich, es taucht unter dem Flugzeugflügel die Westküste Kamtschatkas auf, ein mäandrierender Fluss spiegelt sich im Licht. Ein denkwürdiger Augenblick für mich. Leider verschwindet kurze Zeit später Kamtschatka wieder unter einer Wolkendecke.

Wir kommen zeitgerecht (10 Uhr vormittags) in Elitsovo (Nachbarort und Flugplatz von Petropavlovsk-Kamtschatski) an und können unser aufgegebenes Gepäck unbeschädigt in Empfang nehmen. Auch der Kocher ist noch drinnen. Meine Tasche wurde während der Anreise geöffnet, die Sachen waren nicht mehr am selben Platz, wo ich sie in Wien verstaut habe. Egal, raus aus der „russischen“ Gepäcksempfangshalle und raus vor den Flughafen. Hoffentlich steht da jemand mit einem Schild mit meinem Namen drauf. Leider nein. Wir laufen ein paar Minuten verwirrt umher, dann taucht eine Frau mit ihrem Sohn auf, mit dem passenden Namensschild in der Hand – die Vermieterin unseres Quartiers.

Zum Wetter: Schon beim Anflug zeigte es sich, dass sich Petropavlovsk-Kamtschatski (von den Einheimischen und ab jetzt auch von mir PK genannt) unter einer tiefhängenden, sehr dichten und grauen Wolkendecke verbirgt, aus der aus auch noch regnet. Keine Sicht auf Hügel, Berge oder Vulkane – Unmut macht sich breit, sollen wir jetzt extra so weit gereist sein, um nichts zu sehen?

Die Dame fährt mit uns nach PK und beginnt eine Konversation mit uns, ihr Sohn dolmetscht so gut es geht. Auch ein Foto vor einer Skulptur „Hier beginnt Russland“ wird gemacht. Unser Quartier ist noch in der Endreinigung, so fahren wir ins Zentrum von PK, um uns den verregneten Strand anzusehen. Endlich ist das Quartier frei und wir können es beziehen.

Unser Quartier besteht aus einer kleinen Wohnung, ca. 40 m². Auch Internet und WLAN ist vorhanden. Das ist gut, wir können über WhatsApp zuhause melden, dass wir gut angekommen sind. Die Wohnung besteht aus einem Bad mit WC sowie einen Hauptraum als Wohnzimmer mit Einbauküche. Perfekt für zwei Personen, da auch zwei Einzelbetten vorhanden sind. Eine dritte Person könnte auf der ausziehbaren Sitzgruppe, die vor einem Fernseher steht, schlafen.

Apropos schlafen, irgendwie sind wir wie in Trance, die durchgemachte Nacht auf dem Flug Wien – Moskau sowie die Zeitverschiebung von 10 Stunden machen uns zu schaffen. Wir schaffen es aber trotzdem noch, uns einzurichten und die ersten Kontakte zu knüpfen. Aus einem Reisebericht auf outdoorseiten.net habe ich zwei Telefonnummern entnommen, die zu Anbietern von Transfer-Dienstleitungen gehören sollen. Ich probiere mal die erste Nummer von „Anastasia“. Sie hat WhatsApp, somit schreibe ich ihr gleich unsere Wünsche bzgl. des ersten Transfers (zum Nationalpark Nalychevo). Ich warte auf eine Antwort – sie wird nicht mehr kommen. Schade, der Name hat mir gefallen. Sicherheitshalber schreibe ich gleich auch der zweiten Nummer, die „Olga“ gehört. Hurra, eine Antwort! Und auch in Englisch! Es zeigt sich, dass sich hinter der Nummer von „Olga“ Anton verbirgt, der Mann Olga’s. Mit den beiden haben wir riesiges Glück, wie wir später noch erleben werden.

Schnell noch den Transfer für Dienstag vereinbart und auch informiert, wo wir Gaskartuschen mit Schraubverschluss sowie Bärensprays kaufen können. Beides dank Anton kein Problem. Wir kaufen noch etwas Lebensmittel ein und erleben eine Markthalle, in der Lebensmittel ähnlich wie in einem Basar verkauft werden. Auch konsultieren wir einen Geldautomaten. Nach Hause zurückgekehrt putze ich mir mit der neu erworbenen Zahnpaste die Zähne, mir fällt auf, dass die Paste eine ganz andere Konsistenz als bei uns zuhause hat.  Nach der Feststellung, dass es sich bei der Paste um eine Klebepaste für dritte Zähne handelt gehen wir erschöpft schlafen.

Zum Transfer: Wir fragen auch unsere Vermieterin, den Transfer betreffend. Sie nennt uns einen exorbitant hohen Preis, der uns total überzogen vorkommt – was sich später auch bestätigen wird.

Montag, 23. Juli 2018

Nach einer erholsamen, extrem langen Nacht serviert mein Schwager Eierspeise zum Frühstück. Das Frühstück schafft es, den komischen Geschmack aus meinem wieder Mund zu entfernen. Wir besuchen die naheliegende Markthalle, wo mein Schwager seine Russischkenntnisse unter Beweis stellen kann. Mit viel Gestik und Lachen schaffen wir es, Lebensmittel für unseren täglichen Bedarf einzukaufen. Wir können auch erkennen, dass die Russen Meister im Konservieren und Einkochen von Lebensmittel sind. So ziemlich jedes Gemüse und Fleisch gibt es sowohl frisch als auch konserviert. Natürlich darf Fisch in jeder Menge und auch Kaviar nicht fehlen. Wir kaufen Lachsfilet, das mein Schwager zubereiten wird. Später wird es uns gelingen, Supermärkte nach europäischem Vorbild zu finden. Dies wird uns den Einkauf erleichtern, da wir die Waren selber direkt aus dem Regal nehmen werden können und nicht beschreiben müssen, was wir kaufen wollen.

Nach der Markthalle suchen wir den Laden, in dem es laut Anton die benötigten Gaskartuschen und auch den Bärenspray zu kaufen gibt. Wir finden diesen auch in einer Seitengasse. In der Tat bekommen wir die Gaskartuschen, was uns sehr wichtig ist, weil wir uns das Hantieren mit Benzin beim Kochen ersparen werden. Auch Bärenspray bekommen wir, überrascht, welches hohe Gewicht die Dosen haben.

Noch immer vom Jetlag geplagt, verbringen wir den Rest des Tages mit dem Lesen auf unseren eBook-Readern sowie dem Packen der Rucksäcke. Morgen soll es ja losgehen. Im Hintergrund dudelt Musik von meinem MP3-Player über den Fernseher.

Dienstag, 24. Juli 2018

Heute um 10 Uhr vormittags holt uns Anton mit seiner Frau Olga ab. Unsere Rucksäcke, ca. 20kg pro Stück, sind fertig gepackt und wir freuen uns schon auf den ersten Trip in den Nationalpark Nalychevo. Wie geplant, wollen wir uns auf dem Pass zwischen den Vulkanen Avachinsky und Koryaksky absetzen lassen. Wir fahren mit Anton und Olga mit, ihr Auto begeistert uns – es kommt so richtig Offroad-Feeling auf. Es handelt sich dabei um einen extrem höher gelegten Toyota Hilux, laut Anton’s Angaben „middle legal“. Alles dran, was man so braucht: Seilwinde, eingebauter Kompressor, Dachkorb, Zusatzscheinwerfer, … Auch der Motor ist kein 2,5l Diesel, wie es die Plakette am Kofferraumdeckel suggeriert. Macht Spaß. Die Strecke führt uns gegen Erreichen des Ziels durch ein Flussbett, das im Frühjahr wegen Schmelzwassers nicht passierbar ist. Aber jetzt rinnt nur ein kleiner Bach durch, die Fahrt ist für Anton‘s Hilux mit den Super Swamper (Reifen) kein Problem. Das Wetter scheint eher ein Problem zu werden, es wird immer grauer, nebliger und dunkler. Anton und Olga melden erste Bedenken an, ob wir wirklich losgehen möchten. Ihrer Meinung stellt dies, aufgrund der schlechten Sicht, ein erhöhtes Risiko dar. Sie werden recht haben, später werden wir erfahren, dass einige Gruppen ursprünglich diesen Weg geplant, aber nicht begangen haben.

Am Ziel angelangt, müssen zuerst die Ziesel gefüttert werden. Olga hat extra Kekse mitgebracht. Irgendwie zieht sich der Abschied, keiner will so richtig losgehen. Zu allem Überdruss fängt es leicht zu regnen an. Anton gibt uns noch den Rat, das Felsmassiv „Camel“ auf der rechten Seite zu passieren (nicht wie geplant und am GPS eingezeichnet auf der linken Seite). Wir halten uns an den Rat und gehen los. Ich habe ein ziemlich mulmiges Gefühl, wird es gutgehen? Immer schön rechts vorbei und dann links halten. Sicht gleich Null. Grau von oben und seitlich, weiß und schwarz von unten. Aus dem Nebel tauchen Gestalten aus, eine Gruppe, die von Nalychevo kommt. „Da, da“ war die Antwort, wir sind auf dem richtigen Weg. Periodisch schauen wir auf das GPS und sehen, dass wir gar nicht so schlecht liegen. Nach ca. 2-3 Stunden taucht vor uns aus dem Nebel ein Tal auf – hurra, auch die nächste Station ist erkennbar! Wir sind drüber, denken wir. Während des Abstieges in das Tal kommen uns einige Gegebenheiten wie z.B. Hütten und Wege bekannt vor. Wir befragen das GPS und stellen fest, dass wir eine schöne Runde um das „Camel“ gemacht haben und wieder am Startpunkt angelangt ist. Zu dem Schluss kommend, dass ein nochmaliger Versuch bei diesen Sichtverhältnissen sinnlos ist, planen wir abzuwarten.

Das Zelt wird auf dem körnigen Lavaboden auf einer kleinen Anhöhe aufgestellt, damit im Falle eines Anstieges des Gletscherbaches wir nicht überflutet werden. Die Heringe beschweren wir zusätzlich mit Steinen, um die Windstabilität zu erhöhen. Wir legen uns in das Zelt und versorgen uns mal mit Tee und etwas zu essen. Unsere Verpflegung lagern wir etwas entfernt von unserem Zelt in wasserdichten Säcken. Danach steht bis zum Einschlafen Lesen am eBook-Reader auf dem Programm.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Ausgeruht erwachen wir aus einer störungsfreien Nacht. Der Bach plätschert gleichmäßig in der Nähe vorbei. Wir freuen uns auf unser Frühstück und gehen die Essensvorräte holen. Was ist da passiert? Alles liegt verstreut herum. Über Nacht waren Ziesel oder Murmeltiere am Werk und haben meine Müsliriegel angeknabbert. Das Wetter ist gleichbleibend – Nebel mit zyklischen Schauern. Trotzdem essen wir unser Frühstück am Bach, immer den Bärenspray mit uns – wir wollen ja vorbereitet sein und kein unnötiges Risiko eingehen.

Der Tag vergeht mit Nebelbilder fotografieren – die Pflanzen geben auf dem schwarzen Lavaboden ein dankbares Motiv ab. Kommt ein Regenschauer, gehen wir ins Zelt und lesen. Auch das Kochen der Mahlzeiten haben wir in die Apsis verlegt. Das Wetter ändert sich nicht.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Diesmal haben wir unsere Essvorräte unter Steinen versteckt, die Nagetiere haben sie nicht angerührt. Das Wetter bessert sich nur marginal. Mein Schwager geht den Pass hoch, um einen Blick drüber zu werfen. Ich beobachte ihn vom Zelt aus mit dem Fernglas und hoffe, dass er heil wieder zurückkommt. Das macht er, allerdings mit keinen guten Nachrichten. Er sieht nur eine weiße Fläche, die sich im Grau der Wolken verliert. Da es aus unserer Sicht keinen Sinn macht, in der eintönigen Kulisse herumzulaufen, beschließen wir, nach PK zurückzugehen. Wir bauen das Zelt ab und gehen zu den Basishütten am Pass. Dort werden wir, wie bereits getestet, Mobilfunkempfang haben. Ich schicke Anton ein SMS, besorgt antwortet er „What’s happen??“. Ich kläre ihn auf und er wird uns in ein paar Stunden abholen kommen. In der Zwischenzeit bewundern wir einen Offroad-Van. Wir hören später ein entferntes Brummen – Anton und Olga kommen mit dem Hilux den Pass herauf. Irgendwie wirken alle erleichtert, dass wir uns wiedersehen. Anton fragt nach unseren weiteren Plänen, wir erzählen ihm, dass wir die Vulkane Gorely und Mutnovsky südlich von PK besuchen wollen. Anton weiß, dass am Wochenende das Wetter besser wird – klingt nach Glück im Unglück. Unsere Freude steigt, als Anton und Olga sich uns als Guide anbieten. Wir nehmen das Angebot natürlich dankbar an und freuen uns auf das gemeinsame Wochenende. Im Hilux geht es das Flussbett wieder hinunter. Anton nützt die Schneefelder, um ein bisschen zu driften. Zurück in der Wohnung gehen wir einkaufen um danach zu relaxen. Wir stellen erfreut fest, dass sich das Wetter am Wochenende bessern wird und wir unsere eigene persönliche Reiseleitung bei den Vulkanen haben. Wie gut, dass wir den Versuch Nalychevo zu erreichen abgebrochen haben, aufgeschoben ist nicht aufgehoben … Wir lassen einfach den weiteren Verlauf unserer Reise vom Wetter und den Gegebenheiten abhängen – ein weiterer Vorteil, wenn man unabhängig reist.

Mein Schwager verwöhnt uns mit Lachs-Steak und Petersilienkartoffel, dazu russischen Weißwein.

Freitag, 27. Juli 2018

Ein frohes Erwachen: Draußen scheint die Sonne, und der Nachbar vis-a-vis genießt, wie fast jeden Tag, stundenlang die Aussicht auf den Parkplatz. Heute haben wir fast den ganzen Tag „frei“, daher nutzen wir die Zeit, das vulkanologische Museum von PK zu besuchen und danach in das Zentrum von PK vorzudringen. Abends werden wir von Anton und Olga abgeholt – wir fahren zu den Vulkanen. Die Entfernung von der Wohnung zum Zentrum beträgt ca. 5 km. Wir gehen bei einer neuen Kirche vorbei, nehmen eine Abkürzung und können alte Plattenbauten, eine Schule und verfallene „Häuser“ besichtigen. Das Museum zeigt sich von außen sehr unscheinbar – wie auch später die englischsprachige Führung. Natürlich ist die nächste englischsprachige Führung erst in ca. 2 Stunden, daher gehen wir noch ein bisschen die Gegend erkunden. Die Führung ist interessant und sehr kompetent, die Wissenschaftlerin, die uns führt, hat den Charme von Lavagestein – wahrscheinlich ihrer Tätigkeit zu verdanken.

Nach dem Museum gehen wir Richtung Zentrum, um wieder einer Militärveranstaltung beiwohnen zu können, diesmal unter dem Schutz von Wladimir Iljitsch Lenin, der den Platz als riesige Statue überwacht. Es werden Kampfsporteinlagen präsentiert und fallweise rote Rauchbomben gezündet. Nach dem Spektakel gehen wir zur Bucht und lassen uns dort ein Stella Artois schmecken. Wir trödeln herum und machen Fotos.

Es wird Zeit, wieder Richtung Wohnung zu gehen, da wir heute Abend abgeholt werden – es geht Richtung Gorely und Mutnovsky. Beim Vorbeigehen noch einen schnellen Becher Kwas trinken und bei Asphaltierarbeiten zusehen. Immer wieder ist ein schönes Panorama zu bewundern, im Vordergrund PK, im Hintergrund die angrenzenden Vulkane.

Es ist endlich soweit. Um ca. 7 Uhr abends holen uns Anton und Olga ab, wir verstauen unser Gepäck und auf geht es, Richtung Vulkan Gorely. Vorher noch in ein Lokal, in dem Anton Bier kauft. Etwas ungewöhnlich für uns ist, dass das Bier aus Zapfhähnen in eine PET-Flasche gefüllt wird. Es dämmert bereits, wir fahren auf eine Schotterpiste. In der Dunkelheit biegt plötzlich Anton links ein, mitten in den Wald. Wir erkennen eine schmale Straße, die schlussendlich zu einer Art Campingplatz führt. Es haben mehrere Leute die gleiche Idee, die Hütten sind ausgebucht. Wir schlagen unser Zelt auf, am Waldrand, mitten im Bärengebiet … Danach werden wir sofort von den Besuchern des Platzes, alles russische Einwohner, sehr, sehr herzlich empfangen. Wir werden auf unserer ganzen Reise die russische Seele als sehr gastfreundlich kennenlernen. Sofort müssen wir uns zu der Gruppe gesellen und zusammen einen sehr schmackhaften Eintopf essen. Zu späterer Stunde werden Bärengeschichten erzählt und Instrumente ausgepackt. Zwei Besucher sind versierte Musiker, sie spielen auf Gitarren lokale Weisen. Wir fühlen uns sehr wohl und gehen nach einem langen Tag schlafen – gespannt auf das, was uns noch erwarten wird. Für morgen planen wir den Besuch des Pools auf diesem Platz, der von einer heißen Quelle gespeist wird.