Montag, 23. Juli 2018

Nach einer erholsamen, extrem langen Nacht serviert mein Schwager Eierspeise zum Frühstück. Das Frühstück schafft es, den komischen Geschmack aus meinem wieder Mund zu entfernen. Wir besuchen die naheliegende Markthalle, wo mein Schwager seine Russischkenntnisse unter Beweis stellen kann. Mit viel Gestik und Lachen schaffen wir es, Lebensmittel für unseren täglichen Bedarf einzukaufen. Wir können auch erkennen, dass die Russen Meister im Konservieren und Einkochen von Lebensmittel sind. So ziemlich jedes Gemüse und Fleisch gibt es sowohl frisch als auch konserviert. Natürlich darf Fisch in jeder Menge und auch Kaviar nicht fehlen. Wir kaufen Lachsfilet, das mein Schwager zubereiten wird. Später wird es uns gelingen, Supermärkte nach europäischem Vorbild zu finden. Dies wird uns den Einkauf erleichtern, da wir die Waren selber direkt aus dem Regal nehmen werden können und nicht beschreiben müssen, was wir kaufen wollen.

Nach der Markthalle suchen wir den Laden, in dem es laut Anton die benötigten Gaskartuschen und auch den Bärenspray zu kaufen gibt. Wir finden diesen auch in einer Seitengasse. In der Tat bekommen wir die Gaskartuschen, was uns sehr wichtig ist, weil wir uns das Hantieren mit Benzin beim Kochen ersparen werden. Auch Bärenspray bekommen wir, überrascht, welches hohe Gewicht die Dosen haben.

Noch immer vom Jetlag geplagt, verbringen wir den Rest des Tages mit dem Lesen auf unseren eBook-Readern sowie dem Packen der Rucksäcke. Morgen soll es ja losgehen. Im Hintergrund dudelt Musik von meinem MP3-Player über den Fernseher.

Dienstag, 24. Juli 2018

Heute um 10 Uhr vormittags holt uns Anton mit seiner Frau Olga ab. Unsere Rucksäcke, ca. 20kg pro Stück, sind fertig gepackt und wir freuen uns schon auf den ersten Trip in den Nationalpark Nalychevo. Wie geplant, wollen wir uns auf dem Pass zwischen den Vulkanen Avachinsky und Koryaksky absetzen lassen. Wir fahren mit Anton und Olga mit, ihr Auto begeistert uns – es kommt so richtig Offroad-Feeling auf. Es handelt sich dabei um einen extrem höher gelegten Toyota Hilux, laut Anton’s Angaben „middle legal“. Alles dran, was man so braucht: Seilwinde, eingebauter Kompressor, Dachkorb, Zusatzscheinwerfer, … Auch der Motor ist kein 2,5l Diesel, wie es die Plakette am Kofferraumdeckel suggeriert. Macht Spaß. Die Strecke führt uns gegen Erreichen des Ziels durch ein Flussbett, das im Frühjahr wegen Schmelzwassers nicht passierbar ist. Aber jetzt rinnt nur ein kleiner Bach durch, die Fahrt ist für Anton‘s Hilux mit den Super Swamper (Reifen) kein Problem. Das Wetter scheint eher ein Problem zu werden, es wird immer grauer, nebliger und dunkler. Anton und Olga melden erste Bedenken an, ob wir wirklich losgehen möchten. Ihrer Meinung stellt dies, aufgrund der schlechten Sicht, ein erhöhtes Risiko dar. Sie werden recht haben, später werden wir erfahren, dass einige Gruppen ursprünglich diesen Weg geplant, aber nicht begangen haben.

Am Ziel angelangt, müssen zuerst die Ziesel gefüttert werden. Olga hat extra Kekse mitgebracht. Irgendwie zieht sich der Abschied, keiner will so richtig losgehen. Zu allem Überdruss fängt es leicht zu regnen an. Anton gibt uns noch den Rat, das Felsmassiv „Camel“ auf der rechten Seite zu passieren (nicht wie geplant und am GPS eingezeichnet auf der linken Seite). Wir halten uns an den Rat und gehen los. Ich habe ein ziemlich mulmiges Gefühl, wird es gutgehen? Immer schön rechts vorbei und dann links halten. Sicht gleich Null. Grau von oben und seitlich, weiß und schwarz von unten. Aus dem Nebel tauchen Gestalten aus, eine Gruppe, die von Nalychevo kommt. „Da, da“ war die Antwort, wir sind auf dem richtigen Weg. Periodisch schauen wir auf das GPS und sehen, dass wir gar nicht so schlecht liegen. Nach ca. 2-3 Stunden taucht vor uns aus dem Nebel ein Tal auf – hurra, auch die nächste Station ist erkennbar! Wir sind drüber, denken wir. Während des Abstieges in das Tal kommen uns einige Gegebenheiten wie z.B. Hütten und Wege bekannt vor. Wir befragen das GPS und stellen fest, dass wir eine schöne Runde um das „Camel“ gemacht haben und wieder am Startpunkt angelangt ist. Zu dem Schluss kommend, dass ein nochmaliger Versuch bei diesen Sichtverhältnissen sinnlos ist, planen wir abzuwarten.

Das Zelt wird auf dem körnigen Lavaboden auf einer kleinen Anhöhe aufgestellt, damit im Falle eines Anstieges des Gletscherbaches wir nicht überflutet werden. Die Heringe beschweren wir zusätzlich mit Steinen, um die Windstabilität zu erhöhen. Wir legen uns in das Zelt und versorgen uns mal mit Tee und etwas zu essen. Unsere Verpflegung lagern wir etwas entfernt von unserem Zelt in wasserdichten Säcken. Danach steht bis zum Einschlafen Lesen am eBook-Reader auf dem Programm.